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Siegmund Bauchwitz (1876 – 1942)

Den folgenden Bericht verdanke ich hauptsächlich den Recherchen von Dr.- Herbert Loebl, einem ehemaligen jüdischen Mitbürger, der heute im nordenglischen Newcastle-upon-Tyne lebt.

Loebl fand in der 1929 gedruckten Geschichte des 5. Infanterieregiments im Ersten Weltkrieg auf Seite 166 folgende Zeilen des Kommandeurs Oberst Max Fels:
“Ich danke meinem lieben Stabsarzt Dr. Bauchwitz für seine getreue Mitarbeit. Still, doch unbeirrbar leistete er’s seinen schweren Dienst und arbeitete mit anderen, erfüllt von leidenschaftlicher Vaterlandsliebe, für das Wohl des Ganzen. Für uns alle war er ein lieber, treuer Kamerad. Wir konnten uns den Stab des 5. Inf.Reg. ohne ihn nicht vorstellen. Er setzte sich tapfer der Gefahr aus, wenn andere seine Hilfe brauchten. Ich werde nie eine Situation im Jahre 1917 vergessen: während einer britischen Attacke bei Deulements erhielten wir die Meldung, dass einer unserer Offiziere  verwundet in einer Straße der Stadt lag. Ohne auch nur einen Moment zu zögern, setzte Dr. Bauchwitz seinen Stahlhelm auf und leistete während des feindlichen Trommelfeuers medizinische Hilfe.“
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, der Reichsprogromnacht, wurde Dr. Bauchwitz nach Dachau gebracht und konnte sich einige Zeit nicht um seine Patienten kümmern. Seit September 193 durfte er ohnehin nur jüdische Patienten behandeln. 1939 wurde er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Herbert Loebl verweist auf Dr. Misteles Ende der Gemeinde (übrigends auch eine empfehlenswerte Lektüre über unsere jüngere Ortsgeschichte!), wonach ein Dr. Hessler, damals einer der Nazi-Oberen bei den Medizinern, die Frechheit besessen hatte, Bauchwitz als „Judenbehandler“ zu titulieren, ohne die unter Kollegen übliche Höflichkeit in der Korrespondenz.

Aber diese Beleidigung war nichts im Vergleich zu dem, was folgte: als Oberhaupt der Gemeinde wurde Dr. Bauchwitz gezwungen, Menschen für die ersten zwei Transporte gen Osten zu selektieren, um dann selbst den letzten besteigen zu müssen!

Hinzugefügt sei, was Rudolf Albart in seiner unbedingt lesenswerten Darstellung über das Kriegsende in Bamberg Vom Hakenkreuz zum Sternenbanner schreibt: Anfänglich erfuhren jüdische Weltkriegsteilnehmer einige Schonung. Die jüdische Gemeinde in Bamberg hatte im Ersten Weltkrieg 38 Gefangene zu beklagen; 7 jüdische Soldaten hatten das Eiserne Kreuz Erster Klasse bekommen, auch Dr. Bauchwitz. Die Rücksicht au fdie Kreisteilnehmer verschwand und Dr. Bauchwitz und seine Frau wurden ins Ghetto „Weiße Traube“ ( heut im Neubaukomplex „Theatergassen“ verschwunden) verfrachtet, wo sie die letzten Monate bis zur Deportation nach Theresienstadt leben mussten.

Herbert Loebl zieht folgendes Fazit: Es scheint, dass das Schicksal von Dr. Bauchwitz in extremer Form ein typisches Beispiel für die Tragödie der deutschen Juden ist, deren Vaterlandsliebe auf so ungeheuerliche Weise  vergolten wurde. Und der Berichterstatter erlaubt sich, ganz persönlich hinzuzufügen, dass man einem solchen Menschen, an den sich auch heute noch einige seiner nicht-jüdischen Patienten gut erinnern (eine alte Dame sprach mich deswegen auf unserem Spaziergang an!), wenigstens die Ehre eines wohlklingenden Straßennamens gewährt hätte – z.B. „Siegmund-Bauchwitz-Straße“ – aber dieses ästhetisch diskriminierende Schicksal teilt er in unserem Wohngebiet mit Wilhelm Lobenhoffer, Henri Dunont und Hermann von Helmholtz…

Peter Funk

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