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Henri Dunant (1828-1910)

Wie sehr der Erfolg einer Idee und das Schicksal des Gründers (oder Entdeckers – wie der Fall Ignaz Semmelweis belegt) auseinanderklaffen können, zeigt uns das Leben Henri Dunants, obwohl  seine Herkunft dieses Schicksal eigentlich nicht prädestinierte. Dunant stammte nämlich aus einer wohlhabenden Genfer Calvinistenfamilie, womit die drei bestimmenden Elemente seines Lebens offenkundig werden: der religiös motivierte Einsatz für die Mitmenschen, berufliches und wirtschaftliches Erfolgsstreben und Weltoffenheit.

Dunant engagierte sich zunächst erfolgreich in der damaligen französischen Kolonie Algerien und war im schicksalshaften Frühsommer 1959 eigentlich unterwegs, um den damaligen Kaiser der Franzosen, Napoléon III., für ein neues Projekt in Nordafrika zu gewinnen – er war ihm sogar auf den norditalienischen Kriegsschauplatz nachgereist. Dabei geriet er in die Gegend von Solferino, wo vom 24. bis 30 Juni zwischen den verbündeten Franzosen und Sarden einerseits und den Österreichern andererseits eine der fürchterlichsten Schlachten des 19. Jahrhunderts tobte.

Was Henri Dunant dort sah, schildert sein Biograph Marc Descombes so: „Die Sanitätskarren strömen nach Castiglione herein; es ist ein Zug des Schreckens, dessen Anblick Dunant versteinern lässt. Doch erst auf dem Schlachtfeld, das vom Stöhnen und von den erschütternden Schmerzensschreien der Verwundeten und Sterbenden erfüllt ist, wird das Geschehen vollends unerträglich. Es ist Nacht. Dunant beugt sich zum Körper des ihm am nächsten liegenden Verwundeten hinab, dessen Klagelaute er hört. Ein junger Mann mit blutigem Gesicht bittet ihn um Wasser. Dunant hält ihm seine Feldflache hin … Er nimmt ihn auf die Arme und trägt ihn zu einem Karren, in dem blut- und dreckverschmierte Verwundete aller Dienstgrade kreuz und quer liegen. Er verteilt Zigaretten und die wenigen Lebensmittel, die ihm geblieben sind. Die ganze Nacht hndurch geht er den wenigen überlasteten französischen und österreichischen Chirurgen zur Hand. (…)

Kasernen, Kirchen, Klöster und Privathäuser füllen sich mit Verwundeten. Die öffentlichen  Plätze in Castiglione sind mit Zelten übersät. Ein kleiner Teil der Unglücklichen wird versorgt, doch es fehlt an allem: an Verbandsmaterial und Scharpie, um die Blutungen zu stoppen, an chirurgischen Instrumenten, Chloroform, Stärkungsmitteln, Tabak usw., ganz zu schweigen von Ambulanzen, Ärzten und Sanitätern.

Am Morgen des 25. Juni schickt Dunant seinen Kutscher nach Brescia, um Lebensmittel und das Allernotwendigste zu kaufen. (…) Verstümmelte Leichen, klaffende Wunden, auf denen sich Fliegenschwärme niedergelassen haben, ausgestochene Augen, zerfetzte Körper, verrenkte Glieder – der Anblick ist noch entsetzlicher als am Vorabend.“

Dunant hilft unverzüglich. Bald kennen die Opfer den „Mann in Weiß“, der Verbände anlegt und sonst Erste Hilfe leistet, obwohl er weiß, dass er lächerlich wenig tun kann, denn er ist weder Arzt noch Sanitäter. Als er einem ungarischen Soldaten, der vor Schmerzen brüllt, ein wenig Linderung verschafft, sind die mithelfenden Frauen aus den umliegenden Dörfern zuerst verblüfft. Doch als sie sehen, dass er keinerlei Unterschied macht, welcher Nationalität ein Verwundeter ist, rufen sie „Tutti fratelli!“ und folgen seinem Beispiel.

Ohne sich zunächst dessen bewusst zu sein, initiiert Dunant di eHilfe nach dem Grundsatz der strikten Neutralität. Nach diesem Einsatz entwirft er bald erste systematische Pläne, aus denen sich schließlich 1862 seine Denkschrift „Un souvenir de Solferino“ (Eine Erinnerung an Solferino) entwickelt, die bezeichnenderweise nicht in den Buchhandel gelangte, sondern privat verschickt werden musste. Jedenfalls führen Dunants Aktivitäten 1863 zur Gründung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes und am 22. August 1864 zur Festlegung der sogenannten Genfer Konvention.

Leider hatte sich Henri Dunant mit seinem humanitären Einsatz finanziell verausgabt. Als auch seine Firma 1867 in Konkurs geht, muss er fortan in ärmlichen Verhältnissen leben und führt sogar ein ziemlich ruheloses Leben auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Als ihn 1901 die Verleihung des Friedensnobelpreises der Vergessenheit entreißt, kostet es einige Mühe, das dringend benötigte Preisgeld vor den Gläubigern zu retten.

Immerhin hatte ihm die schweizerische Gemeine Heiden das Wohnen gewährt. Dort starb Dunant am 30. Oktober 1910. Sein Grab befindet sich in Zürich.

Peter Funk

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