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Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727)

Geboren am 27.3. 1663 im oberpfälzischen Oberviechtach kam der spätere „Arzt der Landstraße“ im 10. Lebensjahr nach dem Tod des Vaters nach Bamberg, wo er bei seinem Onkel, dem Okulisten, Stein- und Bruchschneider Alexander Ziller seine Lehrjahre verbrachte. Erst im 22. Lebensjahr begann er als selbständiger Landarzt zunächst durch Bayern und Thüringen zu reisen, wobei ihn sein Weg 1702 erneut nach Bamberg führte. In späteren Jahren zog er durch Norddeutschland. Er starb am 11.11. 1727 im hannoverschen Minden an den Folgen eines Schlaganfalls.

Gemessen am Stand der Heilkunst seiner Zeit verfügte Eisenbarth über ein gediegenes Wissen und Können und erfreute sich beim Volk nicht nur wegen seiner Heilerfolge großer Beliebtheit. Zusammen mit seinem Assistenten Pickelhäring sorgte er nämlich bei seinen Auftritten auch für Unterhaltung. So waren die Auftritte der Wanderärzte zu jener Zeit von Musik begleitet – und das nicht nur, um das Schreien der Patienten während der Operation zu übertönen: Gaukler, Possenreißer, Prunkkarossen und allerlei fremdländische Tiere kamen mit Eisenbarth und lockten die Menschen auf die Markplätze, wo freilich die Darbietung der Heilkünste den Höhepunkt bildete.

Seine Behandlungen wurden stets von humorvollen Sprüchen umrahmt, und der Patient musste manch spöttisch-witzige Bemerkung neben den Schmerzen ertragen, bevor ihm geholfen wurde. Eisenbarth behandelte von Melancholie und Wassersüchtigkeit über die Steinleiden bis zu den „äußeren Schäden am Leib“ beinahe alles und verfügte über eine umfangreiches Instrumentarium, wobei ihn vor allem die Technik der Star-Operation mittels einer selbstentwickelten Nadel als Augenheiler bekannt machte. Teils durch innere oder äußere Anwendungen vertrieb er Kröpfe, extrahierte Zähne und erkannte manche Krankheiten wie Diabetes.

Sein „Balsamischer Haupt-, Augen- und Gedächtnisspiritus“ sollte eigentlich auch in der modernen Hausapotheke nicht fehlen, „dient er doch zur Stärkung des Gedächtnisses, welches nach Krankheit, geschehenem Fall oder auch durch unordentliches Leben Schaden gelitten hatte, ..auch gegen Schwindel, Schwachheit des Haupte, Blödigkeit des Gesichtes, Sausen und Klingen der Ohren, Hertzensängste“.

Eisenbarth pries seine Kräutermixtur als „vortreffliche Reinigung des menschlichen Geblütes“ an; auch bei „Stein-Schmertzen“ und Wunden sollte sie Wunderbares bewirken. Schade, dass die genaue Rezeptur nicht überliefert wurde!

Seine Art, wie er mit Patienten umging, und sein Mut, die Reichen um keinen Deut besser zu behandeln als die Armen, brachte dem „Medicus Practicus“ sehr zum Ärger und Neid der studierten Ärzteschaft viele Sympathien ein. Noch heute erzählt das berühmte Lied von ihm und seiner Zeit:

 

Ich bin der Doktor Eisenbarth,
Zwillimillimich bum, bum,
Kurier die Leut’ nach meiner Art…
Kann machen, dass die Blinden geh’n
Und die Lahmen wieder seh’n…

Vertraute sich mir ein Patient,
So macht’ er erst sein Testament.
Ich schicke niemand aus dieser Welt,
Bevor er nicht sein Haus bestellt…

Dem Nachtwächter aus Dideldum,
Dem gab ich zehn Pfund Opium.
Drauf schlief er Jahre, Tag und Nacht,
Es dauert lang, bis er erwacht…

Es hatte eine Frau in Langenpfalz
Einen zentnerschweren Kropf im Hals,
Den schnürt ich mit dem Semmseil zu,
Probatum est, sie hat jetzt Ruh’…

In Wien kuriert ich einen Mann,
Der hatte einen hohlen Zahn.
Ich schoss ihn raus mit der Pistol –
Ach Gott, wie ist dem Manne wohl…

Mein allergrößtes Meisterstück,
Das machte ich in Osnabrück.
Podagrisch war ein alter Knab’.
Ich schnitt ihm beide Beine ab…

Das ist die Art, wie ich kurier.
Sie ist probat, ich bürg dafür.
Dass jedes Mittel Wirkung tut,
Schwör ich bei meinem Doktorhut.

Rainer Gerstner

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